Zwei große Bauerndemos in kurzer Zeit: zuerst in Parndorf, dann am 1. April in Wien. Klare Botschaften, starke Bilder, tausende Bauern auf der Straße.
Und heute stellt sich die entscheidende Frage:
Was ist daraus geworden?
Die ehrliche Antwort: Nichts – außer großen Worten, neuen Ankündigungen und wachsender Verunsicherung auf den Höfen.
## Von Parndorf bis Wien – viel Lärm, keine Wirkung
In Parndorf wurde gegen Mercosur und Billigimporte protestiert – organisiert auch von Funktionären aus dem Umfeld des Bauernbundes.
In Wien folgte die große Bühne. Der Minister sprach von Zukunft, Perspektiven und Wertschätzung. Die Antwort der Bauern: Buhrufe.
Warum? Weil die Realität eine andere ist.
## Realität am Hof: Druck statt Entlastung
Während in den Medien plötzlich von „gestiegenen Bauerneinkommen“ gesprochen wird, sieht es in der Praxis so aus:
- steigende Betriebsmittelkosten
- teurer Diesel und Energie
- sinkende Milchpreise
- schwache Fleischpreise
- fehlende Planungssicherheit
Oder wie man am Hof sagt:
Traue keiner Statistik, die du nicht selbst geschrieben hast.
Ein Bauer brachte es auf den Punkt:
„103 Liter Diesel für die Demo – und jetzt?“
## Herkunftskennzeichnung: gefordert – aber blockiert
Ein zentrales Thema beider Demos war die klare Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln.
Doch genau hier zeigt sich die politische Realität besonders deutlich:
Immer wieder werden entsprechende Anträge im Parlament abgelehnt oder vertagt.
Zuletzt im März im Ausschuss – wieder keine Entscheidung, wieder keine Umsetzung.
Dabei wäre genau das eine der einfachsten und wirksamsten Maßnahmen, um heimische Bauern zu stärken.
## Burgenland: Politik an der Realität vorbei
Auch im burgenländischen Landtag zeigt sich das gleiche Bild. Es wird über Stallbauförderungen gesprochen.
Doch die Frage ist:
Was bringt ein neuer Stall, wenn sich die Produktion nicht mehr rechnet?
Das ist keine Lösung – das ist Symbolpolitik.
## Bio-Wende gescheitert?
Jahrelang wurde Bio als Zukunft verkauft. Doch jetzt zeigt sich:
Immer mehr Bio-Betriebe geben auf.
Besonders spezialisierte Bereiche wie die Gänsehaltung verschwinden.
Warum? Weil sich Qualität alleine nicht mehr rechnet.
Das System trägt nicht mehr.
## Wo ist die Interessenvertretung?
Und eine Frage stellen sich immer mehr Bauern:
Wo ist eigentlich die Landwirtschaftskammer?
Wo ist der Präsident?
Wo ist der Einsatz für die Bauern?
Wer vertritt noch klar die Interessen der bäuerlichen Betriebe?
## Scheinheiligkeit des Bauernbundes
Besonders deutlich wird die Situation beim Bauernbund und der ÖVP.
Bei den Demos:
große Worte, starke Auftritte.
In der Realität:
Zustimmung, Mittragen, Stillstand.
Seit Jahrzehnten wird eine Politik mitgetragen, die genau zu dieser Lage geführt hat.
Und jetzt stellt man sich hin, als wäre man Teil des Widerstands.
## Die wahren Experten
Die echten Experten sind nicht in Brüssel, nicht in NGOs und nicht in Ministerien.
Die echten Experten stehen am Hof.
Sie wissen, was funktioniert – und was nicht.
## Wohin führt das alles?
Die Selbstversorgung sinkt.
Immer mehr Betriebe hören auf.
Wenn sich nichts ändert, bleibt vom Bauern nur mehr eines:
der Landschaftspfleger.
## Klartext
Als Landesparteisekretär, Obmann der Freiheitlichen Bauernschaft und Bundesrat – und als Bauer mit Leib und Seele – sage ich klar:
Zwei Demos haben nichts verändert.
Die Bauern brauchen keine neuen Versprechen.
Sie brauchen endlich Taten.
Denn von Ankündigungen ist noch kein Hof weitergeführt worden.