27. April 2026

Zwei Demos, leere Versprechen: Landwirtschaft im freien Fall

Zwei große Bauerndemos in kurzer Zeit: zuerst in Parndorf, dann am 1. April in Wien. Klare Botschaften, starke Bilder, tausende Bauern auf der Straße.

Und heute stellt sich die entscheidende Frage:
Was ist daraus geworden?

Die ehrliche Antwort: Nichts – außer großen Worten, neuen Ankündigungen und wachsender Verunsicherung auf den Höfen.

 

## Von Parndorf bis Wien – viel Lärm, keine Wirkung

In Parndorf wurde gegen Mercosur und Billigimporte protestiert – organisiert auch von Funktionären aus dem Umfeld des Bauernbundes.

In Wien folgte die große Bühne. Der Minister sprach von Zukunft, Perspektiven und Wertschätzung. Die Antwort der Bauern: Buhrufe.

Warum? Weil die Realität eine andere ist.

 

## Realität am Hof: Druck statt Entlastung

Während in den Medien plötzlich von „gestiegenen Bauerneinkommen“ gesprochen wird, sieht es in der Praxis so aus:

- steigende Betriebsmittelkosten 
- teurer Diesel und Energie 
- sinkende Milchpreise 
- schwache Fleischpreise 
- fehlende Planungssicherheit 

Oder wie man am Hof sagt:
Traue keiner Statistik, die du nicht selbst geschrieben hast.

Ein Bauer brachte es auf den Punkt:
„103 Liter Diesel für die Demo – und jetzt?“

 

## Herkunftskennzeichnung: gefordert – aber blockiert

Ein zentrales Thema beider Demos war die klare Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln.

Doch genau hier zeigt sich die politische Realität besonders deutlich:
Immer wieder werden entsprechende Anträge im Parlament abgelehnt oder vertagt.

Zuletzt im März im Ausschuss – wieder keine Entscheidung, wieder keine Umsetzung.

Dabei wäre genau das eine der einfachsten und wirksamsten Maßnahmen, um heimische Bauern zu stärken.

 

## Burgenland: Politik an der Realität vorbei

Auch im burgenländischen Landtag zeigt sich das gleiche Bild. Es wird über Stallbauförderungen gesprochen.

Doch die Frage ist:
Was bringt ein neuer Stall, wenn sich die Produktion nicht mehr rechnet?

Das ist keine Lösung – das ist Symbolpolitik.

 

## Bio-Wende gescheitert?

Jahrelang wurde Bio als Zukunft verkauft. Doch jetzt zeigt sich:

Immer mehr Bio-Betriebe geben auf.
Besonders spezialisierte Bereiche wie die Gänsehaltung verschwinden.

Warum? Weil sich Qualität alleine nicht mehr rechnet.

Das System trägt nicht mehr.

 

## Wo ist die Interessenvertretung?

Und eine Frage stellen sich immer mehr Bauern:
Wo ist eigentlich die Landwirtschaftskammer?

Wo ist der Präsident?
Wo ist der Einsatz für die Bauern?

Wer vertritt noch klar die Interessen der bäuerlichen Betriebe?

 

## Scheinheiligkeit des Bauernbundes

Besonders deutlich wird die Situation beim Bauernbund und der ÖVP.

Bei den Demos:
große Worte, starke Auftritte.

In der Realität:
Zustimmung, Mittragen, Stillstand.

Seit Jahrzehnten wird eine Politik mitgetragen, die genau zu dieser Lage geführt hat.

Und jetzt stellt man sich hin, als wäre man Teil des Widerstands.

 

## Die wahren Experten

Die echten Experten sind nicht in Brüssel, nicht in NGOs und nicht in Ministerien.

Die echten Experten stehen am Hof.

Sie wissen, was funktioniert – und was nicht.

 

## Wohin führt das alles?

Die Selbstversorgung sinkt.
Immer mehr Betriebe hören auf.

Wenn sich nichts ändert, bleibt vom Bauern nur mehr eines:
der Landschaftspfleger.

 

## Klartext

Als Landesparteisekretär, Obmann der Freiheitlichen Bauernschaft und Bundesrat – und als Bauer mit Leib und Seele – sage ich klar:

Zwei Demos haben nichts verändert.

Die Bauern brauchen keine neuen Versprechen.

Sie brauchen endlich Taten.

Denn von Ankündigungen ist noch kein Hof weitergeführt worden.

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