„In meinem letzten Pressedienst habe ich davor gewarnt, dass immer mehr Bauern sagen: So kann es nicht weitergehen. Die aktuelle Trockenheit zeigt jetzt, wie ernst die Lage tatsächlich ist“, erklärt Bundesrat Thomas Karacsony, Obmann der Freiheitlichen Bauernschaft Burgenland.
Auf vielen Wiesen wächst kaum noch ausreichend Futter nach. Besonders Milchvieh- und Rinderbetriebe geraten dadurch unter Druck. Kühe bleiben teilweise im Stall, und auf manchen Betrieben wird bereits jetzt Heu verfüttert, das eigentlich als Wintervorrat gedacht war. „Wer selbst Tiere hält oder Landwirtschaft betreibt, weiß, was das bedeutet: Wenn ich im Hochsommer bereits das Winterfutter angreifen muss, dann habe ich im Herbst nicht nur ein Problem – dann habe ich ein Loch in der Futterkammer und ein Loch in der Betriebskasse“, so Karacsony.
Futter zukaufen klingt vom Schreibtisch aus einfach. In der Praxis muss das Futter aber zuerst verfügbar sein, hertransportiert und vor allem bezahlt werden. Gleichzeitig stehen die Milchpreise unter Druck, Diesel und Betriebsmittel sind teuer und auch die Sozialversicherungsbelastung steigt. „Eine Kuh kann ich nicht für drei Monate abstellen, bis es wieder regnet. Die Tiere brauchen jeden Tag Futter, Wasser und Betreuung. Genau deshalb muss die Politik jetzt handeln und nicht irgendwann nach der nächsten Sitzung.“
Karacsony fordert rasche Hilfen für besonders betroffene Betriebe, Unterstützung bei Futterzukauf und Futtertransport sowie pragmatische Ausnahmen bei Auflagen, wenn dadurch zusätzliche Futterflächen genutzt werden können. Auch eine wirksame Entlastung beim Agrardiesel müsse jetzt greifen. „Wenn aufgrund einer außergewöhnlichen Dürre Futter knapp wird, dann darf nicht irgendein Formular oder eine Brüsseler Auflage wichtiger sein als die Versorgung unserer Tiere.“
Scharfe Kritik übt Karacsony erneut an der ÖVP: „Nach den großen Bauernprotesten wurde viel Verständnis gezeigt. Minister und Funktionäre haben erklärt, die Forderungen der Bauern seien berechtigt. Heute stehen wieder Betriebe mit dem Rücken zur Wand. Daher frage ich wie schon zuletzt: Wofür sind die Bauern eigentlich zu den Demonstrationen gefahren, wenn bei der nächsten Krise wieder zuerst diskutiert und erst irgendwann gehandelt wird?“
Die ÖVP könne sich dabei nicht als unbeteiligter Beobachter darstellen. „Wer die österreichische Agrarpolitik seit Jahrzehnten maßgeblich mitbestimmt, Landwirtschaftsminister stellt und über Bauernbund und Landwirtschaftskammer großen Einfluss besitzt, muss sich an den Ergebnissen messen lassen. Schönwetterpolitik hilft uns bei einer Dürre genauso wenig wie ein Regenschirm im Stall.“
Gerade die Milchviehhaltung sei für viele Regionen weit mehr als ein Wirtschaftszweig. Wo Rinderhaltung verschwindet, verschwinden oft auch bewirtschaftete Wiesen, regionale Kreisläufe und ein Stück bäuerlicher Kulturlandschaft. „Wir dürfen unsere Bauern nicht zuerst wirtschaftlich an die Wand drücken und ihnen anschließend Förderungen dafür anbieten, dass sie nur noch Landschaftspfleger spielen. Ein Bauer muss in erster Linie davon leben können, Lebensmittel zu erzeugen.“
Karacsony erinnert auch an die Corona-Zeit: „Damals hat plötzlich jeder von Versorgungssicherheit gesprochen. Die Regale sollten voll sein, heimische Produktion war auf einmal unverzichtbar. Diese Erkenntnis darf nicht immer nur bis zur nächsten Krise halten. Versorgungssicherheit beginnt nicht im Supermarkt – sie beginnt im Stall und auf dem Feld.“
„Wenn Futter fehlt, Milchpreise unter Druck stehen und die Kosten weiterlaufen, braucht es keine Sonntagsreden. Es braucht rasche, unbürokratische Hilfe und politische Entscheidungen mit Hausverstand. Unsere Bauern bitten nicht um Almosen. Sie wollen ihre Tiere versorgen, Lebensmittel produzieren und von ihrer Arbeit leben können. Dafür werde ich mich als Landwirt, Bundesrat und Obmann der Freiheitlichen Bauernschaft Burgenland weiter mit aller Kraft einsetzen“, so Karacsony abschließend.