Bereichssprecher Abgeordneter Markus Wiesler nimmt zur Pressefonferenz „Studie beschert Burgenlands Weinwirtschaft beachtliche Zahlen“ Stellung:
Die burgenländische Weinwirtschaft ist und bleibt ein Aushängeschild unseres Landes. Sie steht für höchste Qualität, ehrliche Handarbeit und internationale Anerkennung. Unsere Winzerinnen und Winzer haben über Jahrzehnte bewiesen, dass konsequente Qualitätsorientierung der richtige Weg ist. Heute wird burgenländischer Wein in über 60 Länder exportiert, sorgt für tausende Arbeitsplätze und ist ein zentraler Motor für Tourismus, regionale Wertschöpfung und Identität. Kurz gesagt: Wein ist unser größter Botschafter und darauf können wir stolz sein.
Gerade deshalb müssen wir klar ansprechen, wo die Probleme liegen. Die Winzer kämpfen zunehmend mit überbordender Bürokratie, unnötigen Vorschriften und wachsendem Verwaltungsaufwand, der Zeit, Geld und Energie kostet. Wer Qualität produziert, darf nicht von Papierbergen ausgebremst werden. Hier braucht es endlich ein Umdenken: weniger Gängelung, mehr Vertrauen in jene, die täglich Verantwortung für ihre Betriebe und unsere Kulturlandschaft übernehmen.
Besonders kritisch sehen wir das Mercosur-Handelsabkommen. Während unsere Winzer strengste Auflagen erfüllen müssen, werden in anderen Regionen der Welt Produktionsmethoden eingesetzt, die bei uns seit Jahren verboten sind. Gleichzeitig wird dort deutlich kostengünstiger produziert. Das schafft keine fairen Wettbewerbsbedingungen, sondern das gefährdet heimische Betriebe. Für uns überwiegen daher klar die Risiken gegenüber den Chancen. Wer ernsthaft die Qualität und Existenz unserer Weinwirtschaft sichern will, darf solche Abkommen nicht leichtfertig durchwinken.
Ein weiteres akutes Problem ist die Rebzikade, die nach wie vor viele Weinbaubetriebe belastet. Trotz der massiven Herausforderungen war die Landesregierung bisher nicht bereit, notwendige Unterstützungsmaßnahmen wie Rodungsprämien, Ausfallshilfen oder Förderungen für Wiederanpflanzungen umzusetzen. Die Winzer bleiben damit weitgehend allein zurück und das ist nicht akzeptabel. Wenn Betriebe existenziell bedroht sind, braucht es rasche und unbürokratische Hilfe.
Im letzten Jahrzehnt wurde zudem leider auf die Nebenerwerbsweinbauern vergessen. Auch sie sind ein unverzichtbarer Teil unserer gewachsenen Weinbaukultur. Die Auswirkungen sind bereits sichtbar – etwa in meinem Heimatort, wo viele Weinbauflächen gerodet wurden und heute brachliegen. Gerade diese kleineren Betriebe wurden durch überbordende Bürokratie zusätzlich belastet und vielfach zum Aufgeben gedrängt. Damit geht nicht nur wertvolle Kulturlandschaft verloren, sondern auch ein Stück gesellschaftliches Leben im ländlichen Raum. Es zeigt sich deutlich: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Umso unverständlicher ist es, dass bei anderen Projekten – etwa bei 200.000 Sektflaschen – weder Zurückhaltung noch Zögern zu erkennen war. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Während bei Marketingaktionen großzügig agiert wird, fehlen bei echten Problemen der Winzer plötzlich die Mittel und der politische Wille.
Unsere Forderung ist klar: Die burgenländische Weinwirtschaft braucht faire Rahmenbedingungen, echte Unterstützung bei Krisen und einen konsequenten Bürokratieabbau. Wer die Qualität unseres Weines lobt, muss auch bereit sein, die Menschen dahinter zu stärken. Denn ohne starke Winzer gibt es keinen starken Wein - und ohne starken Wein verliert das Burgenland seinen wichtigsten Botschafter.