05. November 2026

Strom: Wer bei der Burgenland Energie nicht kündigt, zahlt mehr als das Doppelte

Waldmann: Fixpreistarif fällt nach einem Jahr in die Börsenformel, im November 38,5 statt 15,85 Cent. Über die Preisänderung wird nur per E-Mail informiert.

Wer bei der Burgenland Energie den beworbenen Fixpreistarif „Optima12 Unabhängig+“ abgeschlossen hat und nach einem Jahr nicht selbst kündigt oder wechselt, zahlt im November 38,5 Cent pro Kilowattstunde für die Energie. Neukunden zahlen im selben Tarif 15,85 Cent. Das Land hatte das Angebot im März 2026 als „österreichweit einzigartige dauerhafte Strompreissicherheit“ vorgestellt.

In den Preisblättern der Fassungen 3.0, 4.0 und 5.0 steht derselbe Satz: Nach zwölf Monaten „richtet sich der Preis nach der Preisgleitklausel Optima Aktiv+“ und wird jeden Monat angepasst. Die Formel hängt am Österreichischen Strompreisindex, also am Großhandelspreis. Der Energiepreis nach dieser Formel lag im Juli bei 18,9 Cent, im November bei 38,5 Cent. Der Vertrag läuft auf unbestimmte Zeit weiter. Ein automatischer Wechsel in den günstigeren Folgetarif ist nicht vorgesehen.

Wann eine Preisänderung bekannt gegeben wird, regelt das Preisblatt so: „Bitte beachten Sie, dass Sie über Preisanpassungen nicht informiert werden, wenn wir keine E-Mail-Adresse von Ihnen erhalten.“ Und weiter: „Die neuen Preise gelten unabhängig davon, ob Sie die Preisinformation erhalten.“

Dass Kunden in der Formel hängen bleiben, ist der Burgenland Energie bekannt. Als im Frühjahr 2025 der Vorgängertarif auslief, erklärte ihr Vorstandsvorsitzender: „Die Kunden müssen gesetzlich aktiv den Wechsel in den Tarif durchführen.“

„Mit ‚dauerhafter Sicherheit‘ wurde geworben, und im Kleingedruckten steht nach zwölf Monaten der Börsenpreis. Wer sich darauf verlassen hat, vor allem ältere Menschen ohne E-Mail-Adresse, merkt die Verdopplung erst mit der Abrechnung. Ein Landesversorger, der mit der Sicherheit seiner Kunden wirbt, muss jeden einzelnen rechtzeitig per Brief informieren. Und er muss offenlegen, wie viele Haushalte er derzeit nach der Börsenformel abrechnet“, sagt LAbg. Sandro Waldmann, FPÖ-Sprecher für Energie.

Die FPÖ fordert, dass die Burgenland Energie ihre Kunden rechtzeitig vor Ablauf des Fixpreisjahres schriftlich per Post über die bevorstehende Umstellung auf die monatliche Preisgleitformel und die damit verbundenen möglichen Mehrkosten informiert. Gleichzeitig muss ihnen ein günstigerer verfügbarer Folgetarif aufgezeigt werden. „Wer mit dauerhafter Strompreissicherheit wirbt, darf seine Kunden nach zwölf Monaten nicht einfach einem unkalkulierbaren Preisrisiko überlassen“, so Waldmann.

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