07. September 2026

Landwirtschaftliche Fachschulen brauchen Praxis statt grüner Ideologie

AgriNEXT darf nicht zum politischen Umerziehungsprogramm werden – bäuerliche Praxis und Wahlfreiheit müssen im Mittelpunkt stehen

Kritisch reagiert Bundesrat Thomas Karacsony auf den von Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner präsentierten „AgriNEXT“-Prozess für die landwirtschaftlichen Fachschulen in Güssing und Eisenstadt. Während die Landesregierung von Zukunft, Nachhaltigkeit und Klimaschutz spricht, fordert Karacsony eine klare Ausrichtung an den tatsächlichen Bedürfnissen der heimischen Landwirtschaft.

„Unsere landwirtschaftlichen Fachschulen haben einen klaren Auftrag: Sie sollen junge Menschen zu gut ausgebildeten Landwirten machen und ihnen jenes Rüstzeug mitgeben, das sie später auf ihren Höfen und in den Betrieben brauchen. Wer von Praxisorientierung spricht, muss deshalb zuerst den Bauern zuhören und darf ihnen keine politische Wunschliste überstülpen“, erklärt Karacsony.

Besonders kritisch sieht Karacsony die starke politische Schwerpunktsetzung auf den Ausbau der biologischen Landwirtschaft. Laut den Plänen der Landesregierung soll der Anteil biologisch bewirtschafteter Flächen im Burgenland von derzeit 40 auf 50 Prozent bis 2030 steigen.

„Bio hat selbstverständlich seinen Platz und viele unserer Landwirte leisten hier hervorragende Arbeit. Ebenso haben konventionell wirtschaftende Familienbetriebe ihre volle Berechtigung. Entscheidend sind Boden, Betriebsstruktur, wirtschaftliche Möglichkeiten und die Entscheidung des jeweiligen Bauern. Diese Wahlfreiheit muss auch in der Ausbildung erhalten bleiben“, so Karacsony.

Für den Bundesrat müsse moderne landwirtschaftliche Ausbildung weit über politische Schlagworte hinausgehen. Betriebswirtschaft, moderne Landtechnik, Digitalisierung, Tierhaltung, Pflanzenbau, Direktvermarktung und der wirtschaftliche Umgang mit Energie und Betriebsmitteln seien entscheidende Grundlagen für die nächste Generation.

„Die größte Gefahr für unsere Landwirtschaft ist eine Ausbildung, die irgendwann mehr politische Leitbilder als bäuerliche Lebenswirklichkeit vermittelt. Junge Menschen brauchen Wissen, Können und wirtschaftliche Perspektiven. Wer einen Hof übernehmen soll, muss lernen, wie er davon leben und eine Familie erhalten kann“, betont Karacsony.

Der angekündigte Beteiligungsprozess werde daher daran zu messen sein, wie stark die tatsächliche bäuerliche Praxis in die Ergebnisse einfließt. Karacsony: „Wenn Haider-Wallner sagt, die Weiterentwicklung müsse sich eng an den Bedürfnissen der Praxis orientieren, dann nehmen wir sie beim Wort. Am Ende müssen unsere Bauern und die nächste Generation von Landwirten davon profitieren – und keine grüne Parteiprogrammatik.“

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