19. Juni 2026

Karacsony: ÖVP spielt sich als Retter der Bauern auf – dabei trägt sie seit Jahrzehnten die Verantwortung

Die jüngsten Aussagen von Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich über sinkende Erzeugerpreise, Billigimporte und die schwierige Situation der heimischen Bauern sind an Heuchelei kaum zu überbieten. Wer heute lautstark vor den Folgen warnt, sollte den Menschen auch ehrlich sagen, wer die Agrarpolitik in Österreich und Brüssel seit Jahrzehnten mitgestaltet und verantwortet hat.

 

„Wenn Herr Berlakovich heute über Preisverfall, Billigimporte aus der Ukraine, drohende Budgetkürzungen und die schwierige Lage der Bauern klagt, dann muss man schon fragen: Wer war denn all die Jahre in Verantwortung? Wer hat die Gemeinsame Agrarpolitik der EU mitgetragen? Wer sitzt seit Jahrzehnten in Landwirtschaftsministerium, Landwirtschaftskammern, Bauernbund und Europäischen Gremien?“, fragt Bundesrat Thomas Karacsony, Obmann der Freiheitlichen Bauernschaft Burgenland.

 

Die Fakten liegen auf dem Tisch. Bereits 2023 warnte die FPÖ vor den Folgen der ukrainischen Getreideimporte für den europäischen Markt. Damals kritisierte die Landwirtschaftskammer selbst, dass ukrainisches Getreide in Europa bleibt und die Preise massiv unter Druck setzt. Heute beklagt dieselbe ÖVP die Folgen jener Politik, die sie selbst unterstützt hat. (burgenland.ORF.at⁠)

 

Auch bei den Getreidepreisen zeigt sich das ganze Ausmaß des Problems. Während die Produktionskosten für Diesel, Strom, Dünger und Maschinen massiv gestiegen sind, befinden sich die Erzeugerpreise vieler landwirtschaftlicher Produkte seit Monaten im Sinkflug. Bauern erhalten teilweise nur mehr die Hälfte dessen, was sie noch vor wenigen Jahren für ihre Produkte bekommen haben. (burgenland.ORF.at⁠)

 

„Die ÖVP versucht den Bauern einzureden, Brüssel sei schuld. Tatsache ist aber: Die ÖVP sitzt seit Jahrzehnten selbst mit am Steuer. Sie stellt Minister, Kammerfunktionäre, EU-Abgeordnete und Bauernbundvertreter. Wer so lange Verantwortung trägt, kann sich nicht plötzlich als Opposition zur eigenen Politik darstellen“, so Karacsony.

 

Besonders perfide sei dabei die Diskussion um die Preisgestaltung. Immer wieder werde der Eindruck erweckt, die Bauern würden die Lebensmittelpreise bestimmen. Das Gegenteil sei der Fall.

 

„Nicht die Bauern legen die Preise fest. Die Preise entstehen an internationalen Börsen, durch große Handelskonzerne, Verarbeiter und den Lebensmitteleinzelhandel. Der Bauer ist meistens das letzte Glied in der Kette und muss nehmen, was ihm angeboten wird. Während der Konsument immer mehr bezahlt, bleibt beim Produzenten oft nur ein Bruchteil übrig.“

 

Karacsony erinnert daran, dass die Landwirtschaftskammer und der Bauernbund jahrelang die EU-Agrarpolitik als Erfolgsgeschichte verkauft haben. Jetzt, wo immer mehr Höfe aufgeben müssen und die Einkommen vieler Bauern unter Druck geraten, wolle plötzlich niemand verantwortlich sein.

 

„Die Wahrheit ist: Das Bauernsterben hat nicht gestern begonnen. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Fehlentwicklungen. Wer heute Krokodilstränen vergießt, sollte zuerst vor der eigenen Haustüre kehren.“

 

Die Freiheitliche Bauernschaft fordert daher endlich einen Kurswechsel: Schluss mit Billigimporten aus Drittstaaten, Schutz der heimischen Produktion, faire Erzeugerpreise, weniger Bürokratie und eine Agrarpolitik, die wieder den Bauern dient und nicht den Interessen internationaler Konzerne.

 

„Unsere Bauern brauchen keine Sonntagsreden und keine Pressekonferenzen. Sie brauchen Rahmenbedingungen, von denen sie leben können. Genau dafür werden wir Freiheitliche weiterhin kämpfen“, betont Bundesrat Thomas Karacsony abschließend.

 

Die Aussagen zu den Preisproblemen, Ukraine-Importen und den aktuellen Forderungen der Landwirtschaftskammer stützen sich auf die ORF-Berichte zu sinkenden Getreide- und Agrarpreisen sowie den aktuellen Stellungnahmen von Berlakovich. 

 

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