„Seit Monaten regnet es viel zu wenig. Die Folgen waren absehbar, und jetzt überschlagen sich plötzlich die Forderungen – von uns Freiheitlichen ebenso wie von Landwirtschaftskammerpräsident Nikolaus Berlakovich. Nur: Ein ehemaliger ÖVP-Landwirtschaftsminister sollte genau wissen, wer viele dieser Maßnahmen umsetzen kann. Die ÖVP bezeichnet sich gern als Bauernpartei und hat die österreichische Agrarpolitik über Jahrzehnte maßgeblich mitbestimmt. Jetzt reicht es nicht, Forderungen an andere zu richten“, erklärt Bundesrat Thomas Karacsony, Obmann der Freiheitlichen Bauernschaft Burgenland.
Karacsony verweist auf seinen vorherigen Pressedienst zur dramatischen Futterknappheit. Im Burgenland leiden Ackerbau, Grünland und Viehhaltung massiv unter der Trockenheit. Auf manchen Betrieben fehlt der Aufwuchs, Winterfutter muss früher als geplant eingesetzt oder teuer zugekauft werden. Gleichzeitig bleiben Diesel, Betriebsmittel und Sozialversicherung teuer, während die Erzeugerpreise vielfach nicht kostendeckend sind. „Beim Weizen reden wir derzeit grob von rund 200 Euro pro Tonne. Je nach Betrieb können die tatsächlichen Produktionskosten deutlich darüber liegen. Von solchen Preisen kann niemand auf Dauer einen Familienbetrieb erhalten.“
Wie außergewöhnlich die Lage mittlerweile ist, zeigt auch der Dürreindex der Österreichischen Hagelversicherung. Für meine Gemeinde Rechnitz wird aktuell in der maßgeblichen Trockenperiode ein Niederschlagsdefizit in der Größenordnung von 80 bis 99 Prozent ausgewiesen. „Da braucht mir niemand vom Schreibtisch aus zu erklären, dass wir einfach weiter anbauen sollen. Solange es nicht ausgiebig regnet, ist es auf solchen Flächen wirtschaftlich unsinnig, teure Begrünungsmischungen in staubtrockenen Boden zu säen. Was nicht keimt, schützt weder den Boden noch die Umwelt – es kostet den Bauern nur zusätzlich Geld.“
Neben den bereits erhobenen freiheitlichen Forderungen nach rascher Liquiditätshilfe, Erleichterungen bei Sozialversicherungszahlungen, Unterstützung bei Futterzukauf und -transport sowie wirksamer Entlastung bei den Betriebskosten fordert Karacsony für die betroffenen Trockengebiete eine weitere Sofortmaßnahme: „Wo der Boden staubtrocken ist und kein ausreichender Niederschlag in Sicht ist, muss die verpflichtende Anlage von Begrünungen dort, wo sie förderrechtlich vorgeschrieben ist, ausgesetzt beziehungsweise flexibel gehandhabt werden können – ohne Förderungsverlust. Bei einem Niederschlagsdefizit von bis zu 80, 90 oder noch mehr Prozent Saatgut auszubringen, obwohl keine ausreichende Bodenfeuchte vorhanden ist, hat mit sinnvoller Landwirtschaft nichts zu tun. Das verursacht nur Kosten. Hier braucht es Hausverstand und eine rasche, rechtssichere Lösung.“
Für Karacsony geht es mittlerweile um eine grundsätzliche Entscheidung: „Will die Bundesregierung noch Landwirtschaft in Österreich? Will sie heimische Lebensmittel und Krisensicherheit? Will sie Bauern als Teil der wirtschaftlichen Landesverteidigung? Will sie eine gepflegte Kulturlandschaft, funktionierende Dörfer und Vereine und eine lebendige vor- und nachgelagerte Wirtschaft? Wenn ja, dann muss sie jetzt handeln. Wenn nein, dann soll sie es den Bauern wenigstens ehrlich sagen.“
Die Stimmung auf den Höfen werde zunehmend bitter. „Ein Bauer hat es mir sinngemäß so gesagt: Wenn Landwirtschaft politisch nicht mehr gewollt ist, dann können wir unsere Grund- und Gebäudewerte irgendwann in einer Stiftung parken, Disteln wachsen lassen und um Sozialleistungen ansuchen. Das ist zugespitzt – aber genau diese Verzweiflung spüre ich mittlerweile bei vielen Berufskollegen.“
Karacsony warnt zugleich vor Panikmache bei den Lebensmittelpreisen. „Den Konsumenten muss man ehrlich sagen: Wenn wir den Bauern jetzt helfen, bedeutet das nicht automatisch, dass Lebensmittel plötzlich massiv teurer werden. Der Rohstoffpreis des Bauern ist nur ein Teil des Endpreises. Zwischen Acker und Supermarktregal liegen Verarbeitung, Verpackung, Transport und Handel. Zuerst müssen wir dafür sorgen, dass überhaupt noch jemand da ist, der in Österreich Lebensmittel produziert.“
Besonders scharf kritisiert Karacsony politische Verzögerungen: „Wir brauchen jetzt keine monatelangen Sitzungen und keine Arbeitskreise. Der alte Spruch passt leider wieder: Wenn man nicht mehr weiterweiß, gründet man einen Arbeitskreis. Eine Dürre wartet aber nicht auf ein Sitzungsprotokoll. Den Betrieben muss schnell, unbürokratisch und zielgerichtet geholfen werden.“
„Corona hat uns gezeigt, wie schnell Versorgungssicherheit plötzlich zur entscheidenden Frage werden kann. Wer heimische Landwirtschaft erst dann wiederentdeckt, wenn internationale Lieferketten reißen oder Lebensmittel knapp werden, hat nichts gelernt. Unsere Bauern wollen keine Almosen. Sie wollen produzieren und von ihrer Arbeit leben können. Deshalb sage ich ganz klar: Es reicht mit Sonntagsreden. Jetzt müssen Maßnahmen auf den Höfen ankommen“, so Bundesrat Thomas Karacsony abschließend.