Als „völlig instinktlos und beschämend gegenüber den Opfern“ bezeichnet der FP-LAbg Rudolf Smolej die aktuelle Otto-Muehl-Retrospektive im WAM.
Smolej äußert tiefes Verständnis für die Proteste der Betroffenen-Gruppe „Mathilda“ und spart nicht mit scharfer Kritik an der Argumentation des Museumsmanagements.
"Dies gleiche einer Reinwaschung unter dem Deckmantel der Kunstfreiheit. Wenn der Museumsdirektor die Taten Muehls hinter der sogenannten 'Autonomie der Kunst' verstecken will, ist das ein Schlag ins Gesicht für jeden, der in der Friedrichshof-Kommune gelitten hat“, reagiert Smolej empört.
Muehl habe seine Kommune selbst immer als Gesamtkunstwerk bezeichnet. „Hier wurde jahrelang schwerer Kindesmissbrauch, sexualisierte Gewalt und psychischer Terror unter dem Deckmantel der Kunst ausgeübt. Das Werk und die Verbrechen dieses Mannes lassen sich nicht sauber trennen. Ein Museum kann sich hier nicht einfach auf den Standpunkt zurückziehen, man zeige ja 'nur die Kunst' und nicht die Biografie."
Besonders kritisch hinterfragt der FPÖ-Abgeordnete, warum in diesem Fall so milde geurteilt wird. Smolej sieht hier ein politisches Messen mit zweierlei Maß: „Man muss sich die Frage stellen: Würde diese Ausstellung auch stattfinden, wenn der Täter einen anderen politischen Hintergrund hätte? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, nur weil es sich um eine historisch links geprägte Kommune gehandelt hat. In anderen Bereichen der Kultur ist die sogenannte 'Cancel Culture' sofort zur Stelle, wenn ein Künstler auch nur eine falsche Meinung äußert. Aber wenn ein verurteilter Sektenführer und Kinderschänder aus dem linken Milieu eine Bühne bekommen soll, drückt die Kulturszene plötzlich beide Augen zu und schwafelt von kunsthistorischer Bedeutung.“ Dabei steht eines natürlich im Vordergrund: Eine angemessene Entschädigung der Opfer muss Vorrang haben.
Zudem wirft die finanzielle Dimension der Muehl-Sammlung für Smolej Fragen auf. Während die Preise für Muehl-Werke am Markt zu Recht im Keller seien, kämpfen die Betroffenen seit Jahrzehnten um Gerechtigkeit. Die kolportierte Summe von 2,5 Millionen Euro für rund 160 ehemalige Kommune-Kinder aus dem Burgenland sei zwar ein Schritt, die Details und die Umsetzung seien aber nach wie vor unklar. "Die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels im Burgenland darf nicht von Kulturmanagern diktiert werden, denen die Ästhetik oder gar die politische Dimension wichtiger sind als das Leid der Opfer. Wir fordern eine lückenlose Kontextualisierung und echte Gerechtigkeit für die Betroffenen, anstatt dem Täter postum ein Denkmal zu setzen“, stellt Smolej sehr deutlich abschließend fest.