Für LAbg. Markus Wiesler ist die Situation rund um die Lehrwerkstätte „Jugend am Werk“ im Südburgenland eine hochbrisante Entwicklung mit klaren Folgen für Jugendliche, Betriebe und die gesamte Region.
„Hier steht eine funktionierende Ausbildungsstruktur unter Druck. Und das in einer Zeit, in der ständig von der Bedeutung von Bildung und Fachkräften gesprochen wird. Wenn es konkret wird, wenn es um echte Lehrplätze geht, dann wird plötzlich gespart. Das ist nicht ehrlich gegenüber den jungen Menschen in unserem Land“, so Wiesler.
Nach aktuellen Informationen droht der Einrichtung ein massiver Einschnitt: Die Zuteilung von Lehrlingen durch das AMS soll eingestellt werden – mit dem Argument, die Ausbildung sei zu teuer. Gleichzeitig wird auf alternative Ausbildungsangebote verwiesen.
Für Wiesler ist das ein gefährlicher Kurs: „Es geht hier nicht um ein Projekt auf dem Reißbrett. ‚Jugend am Werk‘ ist eine gewachsene Struktur, die seit Jahrzehnten junge Menschen ausbildet, Betriebe unterstützt und Fachkräfte hervorbringt, die am Arbeitsmarkt gebraucht werden. Viele Unternehmen in der Region greifen gezielt auf diese Ausbildung zurück.“
Besonders kritisch sieht Wiesler die aktuelle Entwicklung bei den Lehrlingszahlen: „Derzeit sind rund 29 Lehrlinge in Ausbildung, bei einer Kapazität von etwa 60 Plätzen. Es wäre also Raum vorhanden. Gleichzeitig steigen die Zahlen bei der Jugendarbeitslosigkeit. Und dennoch erfolgt keine Zuteilung durch das AMS. Das passt schlicht nicht zusammen.“
Neben der fachlichen Qualität hebt Wiesler auch die Menschen hinter der Ausbildung hervor: „In dieser Lehrwerkstätte arbeiten hochqualifizierte Ausbilder, die fachlich auf höchstem Niveau sind und auch pädagogisch und psychologisch hervorragend geschult sind. Sie begleiten Jugendliche oft durch schwierige Lebensphasen, geben Orientierung und Stabilität. Hinter diesen Fachkräften stehen Familien, Verantwortung und soziale Verpflichtungen. Wer hier kürzt, trifft nicht nur eine Einrichtung, sondern ein gesamtes soziales Gefüge.“
Die Einrichtung bietet darüber hinaus auch Ausbildung im zweiten Bildungsweg sowie die Möglichkeit zur „Lehre mit Matura“. „Das eröffnet Chancen für Menschen, die sonst keinen Zugang zu einer qualifizierten Ausbildung hätten. Genau solche Angebote braucht ein funktionierender Arbeitsmarkt“, so Wiesler.
Für den Freiheitlichen Mandatar ist die aktuelle Argumentation rund um Kosten nicht nachvollziehbar: „Wir hören seit Jahren vom Fachkräftemangel. Gleichzeitig wird dort gespart, wo Fachkräfte entstehen. Das ist ein Widerspruch, den man erklären muss. Wer Ausbildung als zu teuer darstellt, verschiebt die Kosten nur in die Zukunft.“
Wiesler fordert daher klare Maßnahmen: „Es braucht jetzt einen eindeutigen politischen Willen. Gespräche alleine reichen nicht. Es braucht Druck auf den Bund und das AMS, damit die Zuweisung von Lehrlingen gesichert wird. Und wenn es notwendig ist, muss auch das Land Verantwortung übernehmen und den Standort absichern.“
Die Perspektive sei klar: „Wenn im Herbst 2026 keine neuen Lehrlinge mehr zugewiesen werden, läuft der Betrieb mittelfristig aus. Dann verlieren Jugendliche ihre Chance, Betriebe ihre Fachkräfte und die Region eine wichtige Ausbildungsstruktur.“
Abschließend richtet Wiesler einen klaren Appell: „Hinter jeder Zahl steht ein junger Mensch, der arbeiten, lernen und sich etwas aufbauen will. Wer von Bildung spricht, muss genau hier ansetzen. Diese Lehrwerkstätte gehört gesichert – alles andere wäre kurzsichtig und gegenüber der nächsten Generation nicht verantwortbar.“