Die Debatte rund um mutmaßliche Asbestvorkommen in burgenländischen Steinbrüchen bleibt ein hochsensibles Thema. Sie betrifft die Gesundheit der Bevölkerung ebenso wie Arbeitsplätze, Unternehmen und die regionale Grundversorgung. Gerade deshalb braucht es Klarheit, Sachlichkeit und rechtsstaatliches Vorgehen – statt widersprüchlicher Maßnahmen und unvollständiger Informationen.
Seit der ersten Pressekonferenz der Freiheitlichen hat sich die Lage weiter zugespitzt. Vier Steinbrüche wurden nahezu zeitgleich behördlich gesperrt. Gleichzeitig veröffentlichte Greenpeace Untersuchungsergebnisse mit teils sehr hohen Asbestanteilen im Material und sprach eine akute Warnung aus. Die Landesregierung erklärte parallel, es bestehe keine akute Gefahr.
Diese Aussagen passen nicht zusammen.
Wenn keine akute Gefahr besteht, stellt sich die berechtigte Frage, warum drastische Maßnahmen gesetzt wurden: Taskforce, Hotlines, Ankündigungen von Luftmessungen. Das alles signalisiert Handlungsdruck – widerspricht jedoch der offiziellen Beruhigungslinie.
Bereits im Jahr 2008 musste asbesthaltiger Streusplitt zurückgerufen werden. Trotzdem wurde der Abbau über Jahre hinweg fortgesetzt. Asbest im Südburgenland ist daher kein neues Thema, sondern seit langem aktenkundig. Auch im konkreten Fall des Steinbruchs Bernstein wurden bereits im Juni 2025 Bedenken wegen möglicher Asbestbelastungen geäußert. Proben zeigten Asbestgehalte zwischen fünf und hundert Prozent. Dennoch erfolgte die behördliche Schließung erst Monate später – im Jänner. Diese zeitliche Verzögerung wirft Fragen auf. Hier beginnt politische Verantwortung.
Besonders problematisch ist, dass bis heute keine normgerechten, nachvollziehbaren Luftmessungen vorliegen, obwohl aus medizinischer Sicht ausschließlich die Exposition gegenüber lungengängigen Asbestfasern in der Atemluft relevant ist. Genau darauf weist auch die dem Pressedienst beigefügte Stellungnahme eines unabhängigen Geologen ausdrücklich hin. Darin wird klar festgehalten, dass Materialproben allein keine Aussage über eine konkrete Gesundheitsgefährdung zulassen und dass die bisherige Probenahme fachlich nicht geeignet ist, belastbare Schlüsse zu ziehen.
Die geologische Expertise macht deutlich:
· Asbest ist ein natürlich vorkommendes Mineral in bestimmten geologischen Formationen.
· Entscheidend ist nicht das bloße Vorkommen im Gestein, sondern die tatsächliche Faserfreisetzung in der Luft.
· Ohne standardisierte Luftmessungen nach anerkannten Kriterien fehlt jede seriöse Grundlage für weitreichende behördliche Maßnahmen.
Gleichzeitig wurde das betroffene Material über Jahrzehnte hinweg im Straßenbau, auf öffentlichen Plätzen, bei Spiel- und Sportanlagen sowie im Umfeld sensibler Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen verwendet – mit aufrechter behördlicher Genehmigung. Die zentrale Frage lautet daher nicht, was in den letzten Wochen passiert ist, sondern wie in den vergangenen Jahren kontrolliert, geprüft und bewertet wurde.
Die Bevölkerung hat ein Recht auf umfassende Aufklärung. Gemeinden brauchen klare Handlungsempfehlungen. Betriebe und Kunden müssen wissen, wer im Schadensfall haftet. All das bleibt derzeit offen. Die Unsicherheit ist hoch – und mit Blick auf die kommenden Monate und zunehmende Staubentwicklung wächst sie weiter.
Diese Fragen sind legitim. Sie verlangen nachvollziehbare Antworten. Und sie richten sich vor allem an die Landesregierung.
Die Freiheitlichen haben mit ihrem Dringlichkeitsantrag eine sachliche Debatte im Landtag angestoßen und auch dem Abänderungsantrag der Regierung zugestimmt, um Geschlossenheit im Interesse der Bevölkerung zu zeigen. Gleichzeitig ist klar: Politische Verantwortung endet nicht bei Taskforces oder Expertengruppen. Sie liegt bei jenen, die Entscheidungen treffen und Maßnahmen anordnen.
Was es jetzt braucht, ist keine Panikmache und kein Aktionismus, sondern:
· unverzügliche, normgerechte Luftmessungen,
· volle Transparenz gegenüber Bevölkerung, Betrieben und Medien,
· eine seriöse gesundheitliche Risikobewertung auf Basis von Messdaten,
· sowie eine lückenlose Aufarbeitung der behördlichen Abläufe der vergangenen Jahre.
Gesundheit verlangt Wissen.
Rechtsstaatlichkeit verlangt saubere Verfahren.
Und beides verlangt echte Aufklärung – nicht inhaltslose Beruhigungsfloskeln.
Link zur heutigen Pressekonferenz: fb.watch/F2ONC2Ypsq/