Die Gesundheit Burgenland meldet für 2025 steigende Behandlungszahlen, Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sieht darin eine Bestätigung seiner Gesundheitspolitik. Für FPÖ-Klubobmann Christian Ries ist dieses Eigenlob angesichts der tatsächlichen Versorgungssituation im Burgenland fehl am Platz. Vor allem der Anstieg der ambulanten Behandlungen um 8,22 Prozent müsse die Landesregierung zum Nachdenken bringen.
„183.066 ambulante Behandlungen und ein Plus von mehr als 8 Prozent innerhalb eines Jahres sind für mich kein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. Die entscheidende Frage lautet: Warum landen immer mehr Menschen in unseren Spitalsambulanzen? Gerade im ländlichen Raum erleben die Burgenländer längst, wie schwierig es teilweise geworden ist, überhaupt noch zeitnah einen Hausarzt oder Facharzt zu finden“, erklärt Ries.
Die Zahlen zur niedergelassenen Versorgung würden diese Sorge zusätzlich untermauern. Ende Juli waren im Burgenland 11 Hausarztstellen und 8 Facharztstellen ausgeschrieben. Gleichzeitig droht eine massive Pensionierungswelle. Laut ÖGK-Daten sollen in den kommenden Jahren rund 60 Prozent der burgenländischen Hausärzte in Pension gehen. Auch bei den Fachärzten besteht bereits erheblicher Handlungsbedarf, unter anderem in den Bereichen Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Orthopädie und Traumatologie, Radiologie, Pathologie sowie Anästhesiologie.
Ries sieht darin eine Entwicklung, die dringend Antworten verlangt: „Wenn der Hausarzt fehlt, der Facharzt kilometerweit entfernt ist oder auf einen Termin lange gewartet werden muss, bleibt vielen Menschen am Ende nur die Fahrt ins Krankenhaus. Die Spitalsambulanz wird damit zunehmend zum Auffangbecken für Lücken in der regionalen Versorgung. Genau deshalb sollte Doskozil den starken Anstieg der Ambulanzzahlen analysieren, anstatt ihn einfach seiner politischen Erfolgsbilanz zuzuschlagen.“
Im stationären Bereich fällt die Entwicklung wesentlich geringer aus. 35.289 Personen wurden 2025 stationär aufgenommen, ein Plus von lediglich 0,36 Prozent. Dass laut Gesundheit Burgenland sämtliche Pflegestellen in den vier Kliniken besetzt sind, sei erfreulich und zeige auch die enorme Leistung der Mitarbeiter. Für die Beurteilung des gesamten Gesundheitssystems brauche es jedoch den Blick über die Spitalsmauern hinaus.
„Das Land gibt laut eigener Aussendung jährlich rund 200 Millionen Euro aus dem Landesbudget für den Betrieb der Kliniken aus. Gleichzeitig stehen wir vor einem sich verschärfenden Ärztemangel außerhalb der Krankenhäuser. Eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik muss dafür sorgen, dass die Menschen vom Hausarzt über den Facharzt bis zum Krankenhaus verlässlich versorgt werden“, so Ries.
Ries abschließend: „Die Mitarbeiter unserer Krankenhäuser leisten hervorragende Arbeit. Doch steigende Ambulanzzahlen sind kein Qualitätssiegel für Doskozils Gesundheitspolitik. Sie sind ein deutlicher Auftrag, die Ursachen zu prüfen und die wohnortnahe Versorgung endlich abzusichern. Die Burgenländer brauchen Ärzte in ihren Regionen und Termine in vernünftiger Zeit. Genau daran muss sich erfolgreiche Gesundheitspolitik messen lassen.“