„Wenn Doskozil plötzlich den ‚ORF-Sumpf‘ entdeckt, dann wirkt das weniger wie Aufklärung, sondern eher wie selektive Erinnerung. Denn eines blendet er konsequent aus: Es ist seine eigene SPÖ, die genau diese Strukturen über Jahre hinweg nicht nur geduldet, sondern aktivst mitgetragen hat.“
Für Ries zeigen die aktuellen Aussagen vor allem eines: „Kritik ist von Doskozil schnell formuliert – besonders dann, wenn sie andere betrifft. Spannend wird es immer erst dort, wo es um die eigene Verantwortung geht. Und genau da wird es bei Doskozil auffallend still.“
Besonders pikant sei dabei, so Ries, dass Doskozil selbst ein Gewächs dieses Systems ist: „Auch er ist kein politischer Quereinsteiger aus dem luftleeren Raum, sondern ein Produkt des SPÖ-Glashauses. Seine Bestellung zum Polizeidirektor erfolgte mit politischer Rückendeckung des damaligen Landeshauptmanns – und auch bei weiteren Postenentscheidungen im Sicherheitsbereich spielte die Politik immer schon eine maßgebliche Rolle. Das ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems.“
„Umso skurriler wirkt es jetzt, wenn ausgerechnet ein solches Glashausgewächs beginnt, mit Steinen auf das eigene Glashaus zu werfen.“
Ries stellt klar: „Das bedeutet nicht automatisch, dass jene Personen ihre Funktionen nicht ausüben können. Aber es zeigt sehr deutlich, wie tief parteipolitische Einflussnahme in Österreich verankert ist – und zwar quer durch alle Ebenen.“
Diese Praxis beschränke sich längst nicht mehr auf klassische politische Funktionen: „Wir sehen parteipolitische Einflussnahme bei Schuldirektorenbesetzungen, bei der Vergabe von Universitätslehrstühlen oder bei Geschäftsführerposten in landeseigenen Gesellschaften. Bereiche also, in denen politische Farben eigentlich keinerlei Rolle spielen dürften.“
Der freiheitliche Klubobmann fordert daher eine klare Linie ein: „Anstatt sich situativ von der Bundespartei zu distanzieren und dabei selbst Teil desselben Systems zu bleiben, braucht es echte Konsequenz. Transparenz, nachvollziehbare Verfahren und ein Ende der Parteibuchwirtschaft – genau da endet die Glaubwürdigkeit des Landeshauptmanns.“
Ries erkennt zwar an, dass die Stoßrichtung grundsätzlich richtig sei, nur ohne dementsprechendes Handeln bleiben es für ihn nur hohle Phrasen.
Abschließend betont Ries: „Die Menschen erwarten sich keine Schlagzeilen, sondern Klarheit und Verlässlichkeit. Wer Missstände anprangert, muss auch bereit sein, im eigenen Bereich aufzuräumen. Wir stehen für einen klaren Kurs – und unterstützen jeden Schritt, der ernsthaft in diese Richtung geht. Aber Ankündigungen außerhalb der eigenen Zuständigkeit reichen allein nicht aus, um seinen Worten Glaubwürdigkeit zu verleihen.“